Willkommen junge Mittelmeermöwen
Es war Mitte Mai, und ich war an der Reuss, nahe dem Flachsee in Unterlunkhofen, auf der Suche nach atemberaubenden Vogelmotiven, brauchte ich doch für meine Teilnahme an einem Fotowettbewerb zum Thema Heimische Vögel noch ein paar interessante Bilder. Per Zufall traf ich auf eine Mittelmeermöwe, die selenruhig und nahe am Ufer der Reuss auf Schwemmholz sass.
Noch nicht gerade das super Motiv aber ein, zwei Fotos als Erinnerung ist es alle Mal wert. Doch, was ist das? Schon bald erhebt sich der Vogel und unter ihrem Körper schaut noch etwas verängstigt ein Küken hervor. Und da, noch eins und gleich noch mal eins. So rein per Zufall bin ich auf ein Möwennest mit drei Jungen und den beiden Altvögeln gestossen. Jetzt schlägt mein Herz schneller und der Auslöser der Kamera kommt kaum noch zum stillstehen. Wie im Fluge vergehen die nächsten drei Stunden und ich mache Fotos um Fotos; bis am Abend sollten es stolze 3’500 sein. Das hiess, Zuhause nochmals ein paar Stunden hinsitzen und die Fotoausbeute des Tages aussortieren.
Eine Woche später bin ich erneut zum Nest gegangen um zu schauen, und natürlich zu Fotografieren, wie es inzwischen den drei Jungvögeln so geht. Leider musste ich feststellen, dass von den drei Jungen nur noch eines am leben zu sein schien. Umso mehr kümmerten sich die beiden Altvögel fürsorglich um das eine verbliebene Küken, welches bereits merklich gewachsen ist. Wenn einer am Fischen war, überblickte der andere von leicht erhöhter Warte aus aufmerksam die Umgebung. Abwechslungsweise flogen die Altvögel weg und kamen nach kurzer Zeit wieder mit einem Fisch zurück, aber zu keiner Zeit liessen sie das Küken alleine zurück. Sollte sich ein ungebetener Gast, etwa ein Blässhuhn, zu nahe ans Nest wagen, verteidigten die beiden Altvögel mit lautem Geschrei und drohenden Flügelschlägen das Nest und ihr Kücken. Der Höhepunkt war wohl der Schwimmunterrricht für das Küken. Nicht weiter als einen, vielleicht zwei Metern vom Nest entfernt, schwimmt das Küken alleine und vorsichtig in der Reuss. Während ein Altvogel das Junge keinen Augenblick aus den Augen liess, behielt der andere die Umgebung im Blick. Bis am Abend hatte ich wiederum knapp 2’000 Fotos geschossen und das Aussortieren fing wieder von vorne an.
Nochmals eine Woche später, fand ich das Nest nur noch leer vor. Vom nahen Schilfgürtel her konnte ich das Rufen des Küken zwar klar vernehmen und die Altvögel flogen auch immer wieder dorthin und zurück auf ihren Aussichtspunkt beim nahegelegenen Nest. Gesehen habe ich das Küken aber leider nicht mehr. Aber ja, das eine oder andere Foto kann ich bestimmt für meine Teilnahme am Fotowettbewerb gebrauchen. Und dann habe ich auch hier noch eine kleine Auswahl meiner Ausbeute, inklusive einem kurzen Video.